In diesem Artikel geht es um die unterschiedlichen Definitionen von Kultur und die Bedeutung der Sprache innerhalb interkultureller Kommunikation. Die rumänische Autorin Florentina Alexandru, die an der Dimitrie Cantemir Universität in Bukarest unterrichtet, knüpft hierbei an unterschiedliche theoretische Konzepte des Kulturbegriffes, wie etwa der Soziologie und der Cultural Studies, an.
Der Beitrag wird mit einem Abstract und den inhaltsrelevanten Schlüsselwörtern eingeleitet. Der Text ist in drei Unterkapitel gegliedert.

Im ersten Abschnitt geht die Autorin relativ ausführlich auf den theoretischen Hintergrund des Kulturbegriffes ein und beschreibt verschiedene Auffassungen dessen. Sie nennt den statischen Kulturbegriff der „Ersten Moderne“ sowie die dynamische Sichtweise („Wasser- Primat“) und präsentiert die Kultur- Modelle wichtiger Forscher wie zum Beispiel Simmel („Kultur als Kampf“), Habermas („Lebenswelt“), Thomas (Kultur als Orientierungssystem bestehend aus Symbolen), Schneider (Kultur als Bündel von Dimensionen), oder Hofstedes Interpretation des Kulturbegriffes als „System von mentalen Programmen“, das sowohl gehobene Tätigkeiten wie alltägliche, „niedrige“ Dinge des Lebens beinhaltet.
In diesem Kapitel geht die Autorin des Weiteren auf den Wertewandel in der modernen Gesellschaft und auf die unterschiedliche Bedeutung der Zeitperspektive in polychronen bzw. monochronen Kulturen ein. Anschließend werden die Unterschiede innerhalb interkultureller Dialoge erklärt, wobei hier nach Hall zwischen so genannten niedrigen und hohen Kontextkulturen unterschieden wird. Erstere sind durch klare und präzise Aussagen gekennzeichnet, bei Letzteren dominiert die Relevanz nonverbaler sowie paraverbaler Signale.
Schließlich wird in diesem Abschnitt das Hybridisierungsmodell von Welsch vorgestellt, indem fließende, offene Grenzen und die Mischung der Kulturen im Vordergrund stehen. Auch Transkulturalität spielt hierbei eine zentrale Rolle.

Folglich wird in einem 2. Unterkapitel auf die Bedeutung der Sprache und Kultur in der interkulturellen Kommunikation Bezug genommen. Die Autorin betont die wichtige Rolle der Fremdsprachenkompetenz im Rahmen der Bildung in Europa. Hierbei ist die Ausbildung des interkulturellen Sprachgebrauchs von großer Bedeutung, um Missverständnisse zu bewältigen und kulturelle Sensibilität zu erlangen. Ziel ist die Kommunikation zwischen Kulturen. In diesem Zusammenhang geht die Professorin auf Saussures „lingustic turn“ ein. Die Bedeutung eines Begriffs existiert danach nur innerhalb des Sprachsystems. Es wird erwähnt, dass dieser Ansatz nicht von allen Seiten geteilt wird und kritisiert wurde.

In dem dritten und letzten Punkt dieses Artikels widmet sich die Autorin der interkulturellen Begegnung. Mit dieser sei man in der heutigen mobilen und globalen Realität regelmäßig konfrontiert. Solche Interaktionen sind oft mit Unsicherheit aufgrund einer möglichen Bedrohung verbunden. Die Wissenschaftlerin beschreibt interkulturelle Begegnung als Ausdrucksform der Kultur und als dialogisches Handeln, das „synergetische Kräfte“ freisetze.
Es wird auf vier sozio- psychologische Dimensionen, die alle Kulturen aufweisen, eingegangen: Machtdistanz, Individualismus/ Kollektivismus, Maskulinität/ Feminität, Unsicherheitsvermeidung. Es werden folglich deren unterschiedliche Werte vorgestellt. Letztere sind bei Kulturen mit hoher Machtdistanz etwa Ungleichheit, Abhängigkeit, Respekt, Gehorsam, etc. Bei Kulturen mit niedriger Machtdistanz stehen die Werte Gleichheit, Selbstständigkeit, Freiheit, Respekt, Demokratie, Pluralismus, Eigeninitiative, etc. im Vordergrund.
Diese Dimensionen werden von der Autorin veranschaulicht. In Tabellenform werden für jede Kategorie die Unterschiede der Werte je nach Kultur aufgelistet. So wird zum Beispiel auf der linken Seite dargestellt, welche Werte bei Kulturen mit hoher Machtdistanz dominieren und in der rechten Spalte dem gegenüber, welche Attribute bei Kulturen mit niedriger Machtdistanz vorherrschen.

Die Verfasserin betont zusammenfassend in einem Fazit die Merkmale Vielfalt und Pluralität der „modernen Welt“ sowie die Relativität des kulturellen Hintergrundes. Des Weiteren führt sie an, dass es wichtig sei zu wissen, wie Sprache und Kultur miteinander interagieren.

Bei diesem Artikel handelt es sich nicht um eine eigene wissenschaftliche Studie, sondern um eine empirische Übersicht und Zusammenfassung verschiedener Theorien zu dem Thema Kultur. Die Autorin gibt einen ausführlichen, interdisziplinären Überblick über die verschiedenen Interpretationen und Ansätze von Kultur.
Der Schreibstil des Beitrages ist dem wissenschaftlichen Kontext angepasst. Er ist korrekt, nüchtern beziehungsweise nicht ironisch oder wertend. Des Weiteren ist der Text für das Zielpublikum- zumeist vermutlich Studierende der Sozialwissenschaften- größtenteils einfach zu lesen und zu verstehen. Ihnen wird hierdurch ein guter Überblick über die Materie geboten.
Der Aufsatz ist übersichtlich und nachvollziehbar in drei Unterpunkte gegliedert Jedoch kann man den Beitrag als ein wenig „trocken“ bezeichnen. Theoretische Ansätze vieler unterschiedlicher, namhafter Theoretiker wie Schneider, Simmel oder Hofstede erlauben einen umfassenden Einblick in deren Ansichten. Sie werden allerdings aneinandergereiht, ohne praktische Beispiele zu nennen oder eigene, neue Studien beziehungsweise eine persönliche Note einfließen zu lassen. Die Verfasserin erwähnt an einer Stelle zwar, dass ein Ansatz kritisiert wurde, jedoch nennt sie nicht ihre eigene Meinung dazu.

Die Autorin beschreibt etwa ausführlich die Unterschiede der Kulturen und stellt die unterschiedlichen Herangehens- bzw. Sichtweisen in Hinblick auf den Kulturbegriff vor. Sie veranschaulicht diese jedoch nicht. (zum Beispiel durch das Nennen konkreter Länder oder Kulturen). Dies wäre zum Verständnis der theoretischen Ansätze für Studierende hilfreich. Dies gilt auch für die ansonsten übersichtlichen Grafiken, die die unterschiedlichen Kulturen und deren differenzierende Werte veranschaulichen sollen. Die Dimensionen werden nicht weiter beschrieben. Es wird zum Beispiel nicht darauf eingegangen auf welche Länder sich diese Kategorisierungen beziehen und ob diese einem Wandel unterworfen sind oder waren.
Die Quellen, die die Autorin zum Verfassen des vorliegenden wissenschaftlichen Beitrages verwendet hat, sind für diesen Rahmen ausreichend und beinhalten „Klassiker“ wie Habermas´ Theorie des kommunikativen Handelns. Auch Fachzeitschriften wurden herangezogen. Jedoch sind diese zum Teil etwas veraltet und hätten mit neueren Werken ergänzt werden können.
Die Unterschiede der Interpretationen von zum Beispiel nonverbalen bzw. paraverbalen Signalen sowie die Wichtigkeit der Sprache und der Kenntnis von Fremdsprachen bzw. kulturellen Unterschieden fand ich persönlich sehr interessant. Praktische Beispiele und eventuell eine eigene Untersuchung als Ergänzung bzw. eine persönliche Note der Autorin wären jedoch -wie bereits erwähnt- wünschenswert gewesen.

Fragen nach der politischen oder wirtschaftlichen Bedeutung der interkulturellen Kommunikation beziehungsweise Beispiele hierzu bleiben unbeantwortet und wären ein interessanter Aspekt für weiterführende Arbeiten.

*Artikel in: Euromentor Bukarest, Volume II, No.1/ März 2011. S. 36-50

Sophia Sladky

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